Die Welt steht Kopf – oder: Die Götter sind dann mal weg

Und dann kommt Corona. Eh wir uns versehen. So schnell, buchstäblich von heute auf morgen, dass sich die Realisierung dessen, was da eigentlich gerade abgeht, erst langsam ratternd in den ersten Tagen unserer baldigen Quarantäne zu einem weitestgehend klaren Bild zusammenfügen wird. Später wird ein Freund, der mich kurz zuvor noch für ein verlängertes Wochenende hier besucht hat, sagen: „Verrückt, dass Corona schon Thema war, als ich in Thessaloniki war, aber noch so unbedeutend, dass wir noch nicht einmal drüber geredet haben.“ Dabei hätten wir ausreichend Zeit gehabt, denn wir haben unendlich viele andere Dinge besprochen. Doch noch ist es nicht soweit.

Am Tag, an dem meine Eltern Ende Februar für einen einwöchigen Besuch hier ankommen, scheint die Sonne, das Meer strahlt uns entgegen. Nachmittags gehe ich zum Sprachkurs und erfahre: Der erste Corona-Fall Griechenlands ist heute hier in Thessaloniki festgestellt worden. Eine Frau mittleren Alters, die beruflich in Mailand war und das Virus mitgebracht hat. Der Dame geht es gut, ihrer kleinen Tochter, die wenige Tage später auch positiv getestet wird, ebenfalls. In Deutschland ist in der Zwischenzeit der rheinländische Karneval zu einem von Corona geliebten Wirt geworden.

Gut, sagen wir uns, war ja klar, dass es auch irgendwann hier ankommt, aber so schlimm wird’s nun wirklich schon nicht werden. Meine Griechischlehrerin kommt gelassen strahlend ins Klassenzimmer und versucht, mit all ihrer herzergreifenden Ruhe unsere beiden chinesischen Mitschüler zu beruhigen, die mit erhobenem Zeigefinger und in heller Panik die Gefahr erläutern und uns nachdrücklich davor warnen, jetzt überhaupt noch aus dem Haus zu gehen (wenig später werden sie zunächst für mehrere Tage gar nicht mehr erscheinen, um später dann um drei Wochen Urlaub zu bitten, der ihnen aber ob der aktuell noch harmlosen Lage nicht gewährt wird). Bevor alles ausverkauft sein wird, kaufe ich mir ein paar Tage später sicherheitshalber ein Desinfektionsgel (dessen Wirkung wie auch die der Schutzmasken offenbar sehr fragwürdig ist, aber besser als nichts, denke ich mir). Die Woche mit meinen Eltern verbringen wir ohne erwähnenswerte Einschränkungen, wenn auch langsam, aber deutlich sichtbar die Meldungen über die gewaltvollen Ereignisse an der griechisch-türkischen Grenze in den Medien von denen über die neuesten Corona-Entwicklungen überschattet werden und ein kurzes Update über die aktuellen Erkenntnisse zur morgendlichen Routine wird.

Genau eine Woche später laufe ich ohne Jacke in die Sonne blinzelnd durch die Stadt. Es ist Anfang März, der Frühling ist ausgebrochen, das Meer glitzert unter der Sonne, als wolle es als funkelnder Star einer Gala alle Aufmerksamkeit auf sich lenken, die Bäume blühen, mein Herz geht auf, sogar hier, wo der Winter so kurz und erträglich war. Beschwingt schlendere ich durch die Straßen, an Schaufenstern vorbei, erstehe im Schlussverkauf ein paar leichte Frühlingsschuhe – die werde ich schließlich brauchen, jetzt wo es richtig warm wird und wir jederzeit durchstarten werden mit dem, was wir schon an einigen einzelnen warmen Tagen schnuppern durften: in Cafés in der Sonne sitzend, Orangensaft schlürfend unsere Hausaufgaben machen, mit den Kellnern stolz wie Oskar auf Griechisch kommunizieren und vielleicht sogar bald schon Griechisch quasselnd mit Sonnenbrille und wehenden Locken an der Uferpromenade flanieren, unsere neuen Spracherrungenschaften spazieren tragen, kurz nicht ohne leicht hämisch zu grinsen daran denken, wie ein Frühjahrs-Kälteeinbruch zu Hause gerade Freunde und Familie noch mal auf die Folter spannt, während wir schon unsere Gesichter bräunen, endgültig eingenommen von unseren griechischen Genen…

Die Schuhe habe ich bis heute nicht getragen. Neulich habe ich sie zurück in ihre Box gelegt, damit sie nicht einstauben, bevor sie eingelaufen sind. Jetzt brauche ich nur noch ab und zu Turnschuhe, um rauszugehen, denn Corona kam dazwischen (und, zugegeben, die Hitze des nordgriechischen Frühlings war dann auch doch noch nicht ganz so beständig wie erträumt, wofür Corona natürlich nichts kann). Nur einen Tag nach meinem Schuhkauf, es ist der 10. März, kommt während des Unterrichts die Meldung: Zwar gibt es bisher nur etwa 130 offiziell bestätigte Infektionen im Land, doch die griechische Regierung wird ab morgen alle Schulen und Universitäten schließen, um Corona den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Bedrückung im Klassenzimmer ist groß (die Einzigen, die sich vermutlich still und heimlich über die Nachricht freuen, sind unsere Chinesen), unsere Lehrerin sieht es in unseren Gesichtern, redet uns ermunternd zu. Zwei Tage später sind Skype-Chats eingerichtet und mir grinsen fortan jeden Nachmittag sechs freundliche Gesichter aus ihren Wohnzimmern entgegen, während wir alle gemeinsam das Beste aus diesem so unerwartet plötzlich aufgetauchten virtuellen Unterricht machen, unsere (zweite) Lehrerin sich an der Versendung aller erdenklichen Skype-Smilies ergötzt, während wir unser zweites Lehrbuch (denn, fast hätte ich es in dieser ganzen Coronaaufregung vergessen zu erwähnen: Wir sind inzwischen von Level A2 zu B1 aufgestiegen) aufschlagen, uns weiter in die Tiefen der griechischen Grammatik begeben und nunmehr über den virtuellen Raum alles daran setzen, unser Erlerntes in angestrengte Konversationen umzusetzen.

Nur wenige Tage später treffen wir uns ein letztes Mal in unserer Stammtaverne „Nostos“, doch schon ist die Freude über den sich unter den griechischen Köstlichkeiten biegenden Tisch gedämpft, das Gesprächsthema unumstritten, spätestens nachdem die zwei Italienerinnen aus der Gruppe wenige Stunden zuvor unter Tränen beschlossen haben, ihre Koffer zu packen und nach Italien zurückzukehren (was sich später als durchaus schwieriges Unterfangen entpuppen wird, beim zweiten Versuch schaffen sie es aber dann tatsächlich zurück nach Hause). Der Kellner, der an diesem Abend deutlich weniger Tische zu bedienen hat als sonst an einem Freitagabend und trotzdem ungewöhnlich nervös wirkt, klärt seine Kunden für den Fall auf, dass sie es noch nicht mitbekommen haben: Ab dem darauffolgenden Tag werden alle Restaurants und Cafés im gesamten Land geschlossen bleiben, Nostos wird fortan auf Take-away umsatteln (inzwischen wurde wohl auch das eingestellt, wie ich aus der permanenten Dunkelheit im Restaurant schließen kann). Leicht bedröppelt, mit einer Mischung aus Verwirrung, Gelassenheit und gleichzeitiger Anspannung gehen wir an diesem Abend unserer Wege.

Eine Woche lang beobachten wir das Geschehen hier vor Ort und in unseren Heimatländern, treffen uns noch ein paar Mal, wobei wir inzwischen leicht beschämt versuchen, den empfohlenen Mindestabstand einzuhalten, was uns meist verhalten kichern lässt, haben wir uns doch noch eine Woche zuvor zu Begrüßung und Abschied umarmt. Etwas verunsichert verbringen wir bereits mehr Zeit zu Hause als gewohnt, die Fragezeichen in unseren Köpfen werden größer, inzwischen ist auch unser französischer Mitschüler zurück nach Paris abgereist. Dass dann am Sonntagabend verkündet wird, ab dem darauffolgenden Morgen dürfe nur noch raus, wer einen von sechs offiziell definierten triftigen Gründen auf einem schriftlich ausgefüllten Papier oder per an den Staat geschickter SMS (Letzteres lässt mich sehr skeptisch werden, ich wähle daher den Papierweg) vorzuweisen hat, verwundert letztlich nicht mehr. Die Freunde in Frankreich haben darin inzwischen schon eine Woche Erfahrung, die in Italien sowieso.

Nach den anfänglich gemischten Gefühlen ob der neuen Situation bereite ich professionell meine „Ausgeh-Zettel“ vor und bin schließlich positiv überrascht, dass es draußen zwar ruhig, aber doch gar nicht so schrecklich ist. Weit und breit keine Polizei (inzwischen doch schon), bloß vor den Lebensmittelgeschäften bilden sich hier und da kleine, aber wirklich überschaubare Schlangen und das immerzu herzliche Supermarktpersonal weist seine Kunden freundlich darauf hin, doch bitte die Abstandmarkierungen auf dem Boden zu beachten. Von panischen Klopapier-Käufen (bis heute) keine Spur. Meine persönlichen Kontakte haben sich inzwischen auf meine schwedische Mitschülerin, die um die Ecke wohnt, reduziert. Dafür boomt mein Terminkalender, in dem sich Telefondate an Skypeverabredung mit lieben Menschen zu Hause in Deutschland und Frankreich reiht. So viel auf einmal habe ich noch nie telefoniert. Ich beginne, mir meinen kleinen Quarantäne-Alltag zu schaffen, stelle schnell fest, dass der gerade noch rechtzeitige Kauf einer Yogamatte zwei Wochen zuvor der beste seit Langem war und decke mich im Supermarkt mit verlockenden Backutensilien ein, mit denen ich in den darauffolgenden Wochen begeistert so einiges neue Experiment in meiner kleinen Küche realisieren werde (vielleicht mein größter Stolz: meine erste Spanakopita, griechischer Spinatkuchen). Abends ertönen ab und zu kleine Trompetenkonzerte von einem benachbarten Balkon, die mich anfänglich noch zu Tränen rühren ob der Absurdität dieser ganzen Situation und später mein Herz höherschlagen lassen.

Der Ausgeh-Zettel zur „physischen Aktivität“ erlaubt es mir, täglich meine Runde zu drehen und sogar mit meiner schwedischen Freundin spazieren zu gehen. Brennt die Sonne uns auf die Haut, könnte man manchmal fast meinen, es sei alles wie sonst. An den Regentagen, von denen es in letzter Zeit viele gibt, scheint alles doch irgendwie mystisch und seltsam da draußen. Die Uferpromenade, die sonst überläuft vor Menschen, ist jetzt ausgestorben, der kilometerlange leere Asphalt verschwimmt an diesen wolkigen Tagen fast mit dem Grau des Meers und des darüberliegenden Himmels (inzwischen ist die Promenade leider nur noch zu bestimmten Zeiten geöffnet, weil die Sonne dann doch zu viele Menschen ans Meer gelockt hatte). Ein schneidender Wind und kalter Regen, der unsere Füße tränkt, sind zwar auf eine Art erfrischend, aber fühlen sich auch irgendwie an, als wolle die Natur den Ernst der Lage noch einmal unterstreichen. Der mächtige Berg Olymp ward inzwischen seit Wochen quasi nicht mehr gesehen. Mit etwas Glück blitzt sein noch verschneiter Gipfel ab und zu kurz durch die Wolkendecke. Aber es scheint, als seien das nur die wenigen Momente, in denen die Götter da oben ihren schützenden Vorhang zur Seite schieben, um hochmütig auf die Erde hinunterzublicken und sich darüber zu wundern, was sich die absurde Spezies Mensch da wieder eingebrockt hat. Ansonsten – so meine Vorstellung, wenn ich morgens vom Balkon aus hoffnungsvoll in Richtung des Bergs blicke und wieder nur eine dicke Wolkenschicht erspähen kann – haben die sich da oben ganz gut abgeschirmt und lassen es sich gut gehen.

Der 25. März, Griechenlands Nationalfeiertag, normalerweise mit großem patriotischem Radau gefeiert, bleibt dieses Jahr still. Nur ein paar einsame überdimensionierte weißblaue Flaggen an den Balkonen der gegenüberliegenden Häuser und der donnernde Schall eines Militärflugzeugs, das an diesem Morgen in gefühlt greifbarer Entfernung über die Stadt fegt, lassen erahnen, dass dies hier kein Tag wie jeder andere ist. Da sich inzwischen auch die griechisch-orthodoxe Kirche (deren Vertreter lange der Ansicht waren, Gottesdienstbesucher seien auch trotz geteilten Abendmahl-Kelchs und der Liebe zum Ikonen-Küssen durch Gottes Schutz vor dem Virus gefeit) von der Politik hat überzeugen lassen, bleiben auch die Kirchen geschlossen und das bald anstehende Osterfest wird sich von der Straße in die Wohnzimmer verlagern müssen. Schade, hatte ich mich doch gefreut, diese für die Griechen so wichtigen Feste einmal live miterleben zu dürfen.

Natürlich holen auch mich die Sorgen regelmäßig ein. Meist wache ich dann morgens schon mit mieser Laune auf und schaffe es nicht selten bis abends nicht, mich aufzumuntern. Mein Schutzmechanismus, nicht zu viel an die Zukunft zu denken, setzt dann kurzfristig aus und es prasseln alle möglichen Fragen auf mich ein, die ich nicht zu beantworten weiß. Wie lange wird das hier noch gehen? Wie schlimm wird es noch werden? Wie schlimm wird es für die Wirtschaft werden – überall, aber vor allem in diesem Land, das auch ohne Corona noch dabei ist, sich erst langsam und strampelnd von der Krise zu erholen? Was passiert in den Flüchtlingslagern, in denen Menschen von Social Distancing nur träumen können? Und kann ich hier irgendwann wieder raus, bevor ich zurückreisen muss?

Ich habe diese Momente liebevoll „Corona-Blues“ getauft und beschlossen, dass die jetzt nun einmal dazugehören. Kann man nichts machen, Spaziergänge am Meer oder Yoga-Sessions mit Mady Morrison (Deutschlands derzeit wohl meistgeliebter Yogalehrerin) auf YouTube helfen. Und auch zu wissen, dass überall auf der Welt Menschen und insbesondere Freunde sitzen, die sich die gleichen Fragen stellen. Geteiltes Leid ist halbes Leid, vielleicht gewinnt dieses abgedroschene Sprichwort ja 2020 mal wieder an Prominenz. Neulich habe ich eine Liste begonnen mit Dingen, die ich mir für Post-Corona-Zeiten bewahren möchte. Angeführt wird sie von „Pancakes zum Frühstück“, dann folgen „Yoga jeden Tag“ und „Skype mit Freunden und Familie“. Irgendwie habe ich im Gefühl, dass die Liste in den kommenden Wochen noch länger werden wird…

Le monde est sens dessus dessous – ou : Les dieux sont partis pour de bon

Et puis vient Corona. Avant que nous puissions tourner la tête. Si rapidement, littéralement du jour au lendemain, que la prise de conscience de ce qui se passe là ne se fera que lentement dans les premiers jours de notre future quarantaine. Plus tard, un ami qui m’a rendu visite ici pour un long week-end juste avant me dira : „C’est fou que Corona ait déjà été un sujet quand j’étais à Thessalonique, mais c’était encore si insignifiant que nous n’en avons même pas parlé.“ Nous aurions eu beaucoup de temps pour le faire, car nous avons discuté de mille d’autres choses. Mais il n’est pas encore temps.

Le jour où mes parents arrivent ici, fin février, pour une visite d’une semaine, le soleil est chaud, la mer brille vers nous. L’après-midi, je vais au cours de langue et j’apprends : le premier cas de corona en Grèce a été détecté aujourd’hui ici à Thessalonique. Une femme d’âge moyen qui était à Milan et qui a apporté le virus avec elle. La dame va bien, tout comme sa petite fille, qui sera également testée positive quelques jours plus tard. Entre-temps, en Allemagne, le carnaval rhénan est devenu un hôte très apprécié par Corona.

Eh bien, soyons réalistes, nous nous disons, il était clair qu’il arriverait ici à un moment donné, mais ce ne sera pas si mal que ça. Ma prof de grec entre dans la classe souriante et tente de calmer nos deux camarades de classe chinois. Ils nous expliquent le danger en panique l’index levé, et nous conseillent fortement de ne plus quitter la maison (un peu plus tard, ils ne se présenteront pas avant plusieurs jours, pour demander ensuite un congé de trois semaines, qui ne leur sera pas accordé en raison de la situation actuelle encore calme). Avant que tout ne soit épuisé, j’achèterai un gel de désinfection quelques jours plus tard par précaution (dont l’effet, comme celui des masques de protection, est évidemment très discutable, mais c’est mieux que rien, je me dis). Nous passons la semaine avec mes parents sans aucune restriction, même si, lentement mais visiblement, les reportages sur les événements violents à la frontière gréco-turque dans les médias sont éclipsés par ceux sur les derniers développements de corona et qu’une brève mise à jour sur les dernières découvertes devient une routine matinale.

Exactement une semaine plus tard, je me promène dans la ville sans veste, en clignant des yeux au soleil. C’est le début du mois de mars, le printemps a éclaté, la mer scintille sous le soleil comme si elle voulait attirer toute l’attention sur elle comme l’étoile scintillante d’un gala, les arbres sont en fleurs, mon cœur se lève, même ici, où l’hiver n’a été que si court et supportable. Je me promène dans les rues, je passe devant les vitrines des magasins, j’achète une paire de chaussures légères – j’en aurai besoin après tout, maintenant qu’il commence à faire vraiment chaud et que nous pourrons commencer à tout moment avec ce que nous avons déjà eu l’occasion de renifler pendant quelques jours chauds : s’asseoir dans les cafés au soleil, faire nos devoirs en sirotant du jus d’orange, communiquer fièrement avec les serveurs en grec, et peut-être même bientôt se promener sur la promenade en bavardant en grec, avec des lunettes de soleil, les boucles flottante au vent, promener nos nouvelles connaissances linguistiques, penser non sans un léger sourire narquois qu’à la maison une vague de froid met à nouveau les amis et la famille sur le carreau, alors que nous sommes déjà en train de bronzer, finalement à cent pour cent pris par nos gènes grecs…

Je n’ai pas porté ces chaussures jusqu’à aujourd’hui. Il y a quelques jours, je les ai remises dans leur boîte pour qu’elles ne prennent pas la poussière avant d’être utilisées. Maintenant, je n’ai que besoin de mes baskets de temps en temps pour sortir, parce que corona est arrivé (et, pour être honnête, la chaleur du printemps en Grèce du nord n’était pas aussi constante que je l’avais rêvé, ce qui n’est pas la faute de corona, bien sûr). Un jour seulement après avoir acheté mes chaussures, c’est le 10 mars, nous recevons le message pendant le cours : Bien qu’il n’y ait qu’environ 130 infections officiellement confirmées dans le pays à ce jour, le gouvernement grec va fermer toutes les écoles et universités à partir de demain pour couper l’herbe sous le pied de corona. L’oppression dans la classe est grande (les seuls qui sont probablement secrètement heureux des nouvelles sont nos Chinois), notre professeur le voit sur nos visages, nous encourage.

Deux jours plus tard, des chats Skype sont mis en place et, désormais, chaque après-midi, six visages amicaux me sourient sur mon écran depuis leurs salons, tandis que nous profitons tous de cette classe virtuelle venue si soudainement et inattendue, que notre (deuxième) prof prend plaisir à envoyer toutes sortes de smileys Skype, tandis que nous envoyons notre deuxième manuel scolaire (oui, j’ai presque oublié de le mentionner dans tout chaos corona : Après avoir commencé en A2 nous avons maintenant atteint le niveau B1), nous poursuivons notre voyage dans les profondeurs de la grammaire grecque et faisons, désormais via l’espace virtuel, tout notre possible pour transférer ce que nous avons appris en conversations.

Quelques jours plus tard seulement, nous nous retrouvons pour la dernière fois dans notre taverne habituelle „Nostos“, mais déjà la joie à propos la table qui se penche sous les délices grecs est muette, le sujet de conversation incontesté, au plus tard après que les deux Italiennes du groupe aient décidé quelques heures auparavant, en larmes, de faire leurs valises et de rentrer en Italie (ce qui s’avérera plus tard être un projet assez difficile, mais au second essai, elles rentrent effectivement chez elles). Le serveur, qui a beaucoup moins de tables à servir ce soir-là que d’habitude un vendredi soir et qui semble quand même inhabituellement nerveux, informe ses clients au cas où ils ne l’auraient pas entendu : À partir du lendemain, tous les restaurants et cafés du pays seront fermés, Nostos passera désormais aux plats à emporter (entre-temps, cela a aussi été arrêté, comme je peux le conclure de l’obscurité permanente qui règne dans le restaurant). Légèrement embrouillés, avec un mélange de confusion, de calme et en même temps de tension, nous allons nos chemins ce soir.

Pendant une semaine, nous observons les événements ici sur place et dans nos pays d’origine, nous nous rencontrons encore quelques fois, en essayant de garder la distance recommandée, ce qui nous fait rire prudemment, car encore une semaine auparavant nous nous sommes fait des bises pour nous souhaiter la bienvenue et l’adieu. Nous passons déjà un peu plus de temps que d’habitude à la maison, les points d’interrogation dans nos têtes deviennent plus grands, tandis que notre camarade de classe français est également reparti à Paris. Le fait que le dimanche soir, il soit annoncé qu’à partir du lendemain matin, seuls ceux qui ont l’une des six bonnes raisons officiellement définies sur un papier rempli par écrit ou par SMS envoyé à l’État (ce dernier me rend très sceptique, donc je choisis la voie papier) sont autorisés à sortir, n’est plus surprenant. Les amis en France ont déjà eu une semaine d’expérience dans ce domaine, ceux en Italie en sont devenus expertes entretemps.

Après les sentiments initialement mitigés sur la nouvelle situation, je prépare professionnellement mes „notes de sortie“ et je suis finalement agréablement surprise qu’il soit calme à l’extérieur, mais il n’est pas du tout terrible. Pas de police dans les rues (entre-temps il y en a quand même), seulement devant les supermarchés, il y a ici et là des files d’attente petites mais vraiment gérables et le personnel toujours cordial fait aimablement remarquer à ses clients qu’ils veuillez faire attention aux marques de distance sur le sol. Aucune trace d’achat de papier toilette en panique (jusqu’à aujourd’hui). Mes contacts personnels se sont entre-temps réduits à ma camarade de classe suédoise qui habite proche. Par contre, mon agenda est en plein essor, les appels téléphoniques sont alignés avec des rendez-vous Skype avec des proches à la maison en Allemagne et en France. Je n’ai jamais parlé autant au téléphone. Je commence à créer mon petit quotidien de quarantaine, je réalise rapidement que l’achat d’un tapis de yoga deux semaines auparavant était le meilleur depuis longtemps et je fais des provisions au supermarché avec des ustensiles de cuisson tentants avec lesquels j’expérimenterai avec enthousiasme de nouvelles recettes dans ma petite cuisine dans les semaines suivantes (peut-être ma plus grande fierté : mon premier Spanakopita, gâteau grec aux épinards). Le soir, de temps en temps, de petits concerts de trompette retentissent d’un balcon voisin, ce qui me fait la première fois pleurer à cause de toute l’absurdité de cette situation et fait ensuite battre plus fort mon cœur.

La sortie „activité physique“ me permet de faire mes rondes tous les jours et même de me promener avec mon amie suédoise. Lorsque le soleil brûle sur notre peau, on pourrait parfois presque penser que tout est normal. Aux jours de pluie, qui sont nombreux ces derniers temps, tout semble mystique et étrange dehors. La promenade, qui autrement débordait de monde, est maintenant éteinte, les kilomètres d’asphalte vide se confondent presque avec le gris de la mer et du ciel en ces jours nuageux (entre-temps, malheureusement, la promenade n’est ouverte qu’à certaines heures, car le soleil avait alors attiré trop de gens vers la mer). Un vent perçant et une pluie froide qui nous trempe les pieds sont en quelque sorte rafraîchissants, mais donnent aussi l’impression que la nature veut souligner une fois de plus la gravité de la situation. Le puissant mont Olympe n’a plus été vu depuis des semaines. Avec un peu de chance, son sommet encore enneigé traverse de temps en temps la couverture nuageuse. Mais il semble que ce ne soient que les quelques moments où les dieux là-haut poussent leur rideau protecteur pour regarder la terre avec fierté et se demander dans quoi l’espèce humaine absurde s’est encore embarquée. À part cela – mon imagination, donc, quand je regarde avec espoir vers la montagne depuis le balcon le matin et que je ne vois à nouveau qu’une épaisse couche de nuages – ils se sont bien protégés là-haut et s’amusent bien.

Le 25 mars, fête nationale de la Grèce, habituellement célébrée dans un grand vacarme patriotique, reste silencieuse cette année. Que quelques drapeaux blancs bleus surdimensionnés et solitaires sur les balcons des maisons d’en face et le bruit du tonnerre d’un avion militaire balayant la ville ce matin suggèrent que ce n’est pas un jour comme les autres. Étant donné qu’entre-temps, l’Église orthodoxe grecque (dont les représentants ont été pendant longtemps d’avis que, malgré la coupe de communion partagée et l’habitude d’embrasser les icônes, les personnes assistant aux services religieux sont immunisées contre le virus grâce à la protection de Dieu) a également été convaincue par la politique, les églises resteront également fermées et les prochaines Pâques devront passer de la rue aux salons. Quel dommage, j’étais heureuse de pouvoir vivre ces célébrations si importantes pour la vie des Grecs.

Bien sûr, les soucis me rattrapent aussi régulièrement. Ces jours-là, je me réveille le matin de mauvaise humeur et souvent je n’arrive pas à me remonter le moral avant le soir. Mon mécanisme de protection consistant à ne pas trop penser à l’avenir s’arrête alors pour un court instant et toutes sortes de questions me viennent à l’esprit auxquelles je ne sais pas répondre. Combien de temps cela va-t-il durer ? Quelle sera la gravité de la situation ? Quel sera l’impact sur l’économie – partout, mais surtout dans ce pays qui, même sans corona, est encore en train de se relever lentement et de sortir de la crise ? Que se passera-t-il dans les camps de réfugiés, où les gens ne peuvent que rêver de « social distancing » ? Et puis-je sortir d’ici avant de devoir retourner en France ?

J’ai baptisé amicalement ces moments „Corona Blues“ et j’ai décidé qu’ils en font partie désormais. Il n’y a rien à faire contre, des promenades au bord de la mer ou des séances de yoga avec Mady Morrison (le professeur de yoga le plus aimé d’Allemagne en ce moment) sur YouTube aident. Et ça aide aussi de savoir que partout dans le monde, il y a des gens et surtout des amis qui se posent les mêmes questions. Un chagrin partagé est un demi chagrin, peut-être que ce proverbe poussiérieux allemand gagnera à nouveau en célébrité en 2020. Récemment, j’ai commencé une liste de choses que je veux garder pour l’après-corona. Il est dirigé par „pancakes au petit déjeuner“, suivi de „yoga tous les jours“ et de „Skype avec les amis et la famille“. D’une certaine manière, j’ai le sentiment que la liste va encore devenir plus longue dans les semaines à venir…

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