Athen, Häusermeer am Mittelmeer – oder: Eine Stadt, viele Gesichter

Der Trubel der Großstadt kündigt sich schon beim Landeanflug an, bei dem die Propellermaschine eine dicke bauschige Wolkendecke durchbrechen muss und dabei ordentlich durchgeschüttelt wird. Wie ein voll bepackter Esel hieve ich mich wenig später mit meinem Rucksack, der mich inzwischen deutlich überragt, in die Metro. Obwohl die im Vergleich zu Städten wie Berlin oder Paris sehr sauber und modern ist, kündigen sich Menschenmengen und Geräuschpegel einer Millionenstadt an, die in den darauffolgenden zwei, drei Tagen erst mal einen kleinen Kulturschock darstellen werden. Nach zweieinhalb Monaten auf Inselchen mit jeweils nicht mehr als höchstens ein paar Tausend Einwohnern ist das hier ein kleiner Sprung ins kalte Wasser. Nicht nur mein Gemüt muss sich umstellen, sondern offenbar auch mein Körper, der direkt erst mal Opfer der Großstadtbazillen wird. So komme ich in den Genuss des griechischen Gesundheitssystems, das sich chlichéegetreu als chaotisch und – säße ich nicht seit zwei Stunden bettreif im Wartezimmer – durchaus amüsant herausstellt.

Für die Erkundung dieser riesigen Stadt habe ich das Glück, sie von meinen neu gewonnen griechischen Freunden durch ihre Augen gezeigt zu bekommen. Der Besuch eines Freundes, der die Stadt als promovierter Althistoriker kennt, ergänzt das ganz hervorragend (und auch unser gemeinsamer Tagesausflug ins antike Korinth). So lerne ich schnell die verschiedenen Gesichter dieser Stadt kennen. Die marmornen Regierungsbauten nördlich vom Stadtzentrum prägen zusammen mit teuren Boutiquen den Stadtteil Kolonaki und werden Tag und Nacht von Polizei und Militär bewacht. Wächter in traditionellen Trachten mit Strumpfhosen, Fransenhüten und Bommelschuhen führen in getaktetem Rhythmus eine streng festgelegte Choreografie zur Wachablösung ab, die im Kontrast zur unmittelbar danebenliegenden glitzernden Einkaufsmeile irgendwie sehr verstaubt anmutet. In den unterhalb der Akropolis liegenden, ebenfalls marmornen Straßenzügen laden Besitzer von Souvenirgeschäften und Kellner von vermeintlich authentischen Restaurants lautstark die vorbeiströmenden Touristen ein. Im studentischen Viertel Koukaki wiederum wimmelt es von hippen Cafés und Geschäften, die Handgemachtes anbieten.

Dazwischen zwei Dinge, die zuverlässig in allen Teilen der Stadt auftauchen: antike Ruinen (dass beim Abbiegen um eine Häuserecke plötzlich eine 3000 Jahre alte Säule auftaucht oder die Metrostation mit in Vitrinen präsentierten Amphoren bestückt ist, die ebenso viele Jahre auf dem Buckel haben, gehört quasi zum Alltag) – und starker Verkehr zu jeder Tageszeit. Das Auto scheint der beste Freund der Griechen zu sein (so stellt mein griechischer Kollege selbstkritisch fest: „Ja klar, wir fahren ja auch aufs Klo mit dem Auto!“) und ich lerne schnell, dass man sich im Stadtverkehr prinzipiell unterordnet, wenn man als Fußgänger im dröhnenden, hupenden Automeer überleben möchte.

Das bei jungen Menschen wohl bekannteste Viertel ist der Szenestadtteil Exarchia, in dem etliche alternative Bars und Cafés das Nachtleben prägen. Der Stadtteil gerät vor allem deshalb seit vielen Jahren immer wieder in den Fokus der Medien, weil sich die leider offenbar sehr gewaltbereite griechische Polizei, der Verbindungen zu rechten Kreisen nachgesagt wird, hier regelmäßig Kämpfe mit den linksorientierten Bewohnern des Viertels liefert. So stecken hinter der lässigen Stimmung, die die Straßenzüge prägt, auch extreme Spannungen und großes Konfliktpotenzial. War das schon vorher der Fall gewesen, verschärfte sich die Situation, nachdem im Dezember 2008 ein Jugendlicher hier von einem Polizisten erschossen wurde und daraufhin in ganz Griechenland Revolten ausbrachen, die bis heute andauern – gefüttert von immer wieder sich ereignenden Vorfällen, bei denen Polizisten vorzugsweise linksorientierte Menschen drangsalieren und schikanieren. (Ich fühle mich bisher nicht ausreichend umfassend informiert, um diese Konflikte in ihrer Fülle zu erläutern, aber wer sich mehr dafür interessiert, kriegt zumindest einen groben Überblick bei Wikipedia.) Wie viel all das auch mit der Krise des Landes zu tun hat, kann ich nicht ermessen, aber sicherlich ist die Verbindung nicht abwegig, waren und sind doch besonders junge (und alte) Menschen von ihr betroffen.

Von der Krise sehe ich selbst in Athen nicht viel, ich lasse mir aber von Athenern sagen, dass etwa die Anzahl der Obdachlosen in der Stadt seitdem stark gestiegen sei. Im Vergleich zu Paris oder Berlin fällt mir das nicht auf, aber offenbar war Obdachlosigkeit hier vor der Krise nur sehr wenig vorhanden. Auch entgegen der bedrohlichen Ankündigungen einiger Insulaner, die ich in den vergangenen Wochen getroffen habe (von denen – natürlich – niemand in Athen heimisch ist), sehe ich nichts von der Flüchtlingskrise, die durhaus auch hier auf dem Festland Kapazitätsgrenzen und Logistik überfordert.

Insgesamt stelle ich fest, was schon im September auf meiner Reise durch Nordgriechenland mein Eindruck war: dass die Griechen sich ihre Lebensfreude nicht nehmen lassen. So sind etliche kleine, geschmackvoll eingerichtete Cafés (für meine Schreibnachmittage im Café kann ich mir jeden Tag ein anderes in meiner unmittelbaren Nachbarschaft aussuchen, es ist herrlich!) immer gut besucht und im Zentrum der Stadt wimmelt es zwischen üppigem Weihnachtsschmuck nur so von Menschen. Nicht anders als in jeder anderen europäischen Großstadt. Und so bewege ich mich zu meinem eigenen Erstaunen sehr schnell ganz selbstverständlich durch die Stadt und wechsle vom Reisemodus in eine Art übergangsweise Sesshaftigkeit, wie als würde ich hier jetzt erst mal bleiben (daher wohl auch die plötzlich weniger werdenden Fotos…), ungeachtet der Tatsache, dass ich die Stadt natürlich trotz allem durch die Augen einer Reisenden betrachte und das wahre Leben hier nur erahnen kann.

Athènes, mer de maisons sur la mer méditerranée – ou : Une ville, plusieurs visages

L’agitation de la grande ville s’annonce déjà lors de l’approche à l’atterrissage, lorsque l’avion doit traverser une épaisse et volumineuse couverture nuageuse et est bien secoué en faisant cela. Comme un âne chargé, je monte un peu plus tard avec mon sac à dos, qui entre-temps me dépasse considérablement, dans le métro. Bien que le métro soit très propre et moderne par rapport à ceux à Berlin ou Paris, la foule et le niveau de bruit d’une ville de millions s’annoncent, ce qui va faire un petit choc culturel dans les deux ou trois jours qui suivent. Après deux mois et demi sur des petites îles de quelques milliers d’habitants au maximum, c’est un petit saut dans l’eau froide. Non seulement mon esprit doit changer, mais apparemment aussi mon corps, qui devient avant tout victime des bacilles de la grande ville. Je peux donc profiter du système de santé grec qui, fidèle au chliché, s’avère bien chaotique et – si je n’étais pas assise malade dans la salle d’attente depuis deux heures – assez amusant.

Pour l’exploration de cette immense ville, j’ai la chance d’être montré à travers les yeux de mes nouveaux amis grecs. La visite d’un ami, qui connaît la ville en tant que docteur de l’histoire ancienne, complète très bien cela (ainsi que notre visite de l’ancienne ville de Corinthe). Ainsi, j’apprends rapidement à connaître les différents visages de cette ville. Les bâtiments gouvernementaux en marbre au nord du centre-ville ainsi que les boutiques de luxe caractérisent le quartier de Kolonaki et sont gardés jour et nuit par la police et l’armée. Des gardes en costumes traditionnels avec des collants, des chapeaux à franges et des chaussures à roulettes exécutent une chorégraphie strictement définie, à un rythme chronométré, pour changer de garde, qui, contrairement à l’avenue de magasins étincelants juste à côté, semble en quelque sorte très vieille. Dans les rues également marbrées sous l’Acropole, les propriétaires de boutiques de souvenirs et les serveurs de restaurants soi-disant authentiques invitent bruyamment les touristes de passage. Dans le quartier étudiant de Koukaki, en revanche, les cafés et les boutiques branchées proposant des articles faits à la main grouillent de monde.

Entre tout cela deux choses qui apparaissent de manière fiable dans toutes les parties de la ville : des ruines anciennes (le fait qu’une colonne de 3000 ans apparaisse soudainement quand on tourne au coin d’une maison ou que la station de métro soit équipée d’amphores présentées dans des vitrines, qui ont tout autant d’années, fait pratiquement partie de la vie quotidienne) – et une circulation intense à tout moment de la journée. La voiture semble être le meilleur ami des Grecs (c’est ainsi que mon collègue grec fait son autocritique : “ Oui bien sûr, on va aux toilettes en voiture, au fait ! „) et j’apprends rapidement que dans la circulation urbaine, on doit se tenir fondamentalement subordonné si l’on veut survivre en tant que piéton dans cette mer de voitures bruillant et claxonnant.

Le quartier qui est probablement le plus connu des jeunes est le quartier Exarchia, où plusieurs bars et cafés alternatifs dominent la vie nocturne. Depuis de nombreuses années, le quartier est souvent au centre de l’attention des médias, principalement parce que la police grecque, qui aurait des liens avec les milieux de droite, est malheureusement apparemment très violente et se bat régulièrement avec les habitants du quartier orientés à gauche. Ainsi, derrière l’atmosphère décontractée qui caractérise les rues, il y a aussi des fortes tensions et un grand potentiel de conflit. Si cela avait été le cas auparavant, la situation s’est aggravée après qu’un jeune a été abattu par un policier ici en décembre 2008 et des révoltes ont alors éclaté dans toute la Grèce, qui se poursuivent encore aujourd’hui – remotivées par des incidents récurrents dans lesquels les policiers harcèlent et intimident de préférence les personnes orientées à gauche. (Jusqu’à présent, je ne me sens pas suffisamment bien informée pour expliquer ces conflits dans toute leur ampleur, mais ceux qui sont plus intéressés peuvent au moins avoir un aperçu sur Wikipédia.) Je ne peux pas estimer à quel point tout cela a un rapport avec la crise du pays, mais le lien n’est sûrement pas absurde, vu que surtout les jeunes (et les vieux) ont été et sont touchés par cette crise.

Moi-même par contre, je ne vois pas grand-chose de la crise à Athènes, mais des Athéniens me disent que le nombre de sans-abri dans la ville a considérablement augmenté depuis. Par rapport à Paris ou Berlin, je ne le remarque pas, mais apparemment le nombre de sans-abri était très faible ici avant la crise. De plus, contrairement aux annonces menaçantes de certains insulaires que j’ai rencontrés ces dernières semaines (dont – bien sûr – aucun ne vient d’Athènes), je ne vois rien de la crise des réfugiés, qui surcharge bien sûr les limites de capacité et la logistique ici sur le continent également.

Dans l’ensemble, je remarque ce que j’avais déjà pensé en septembre lors de mon voyage à travers la Grèce du Nord : que les Grecs ne se laissent pas enlever leur joie de vivre. Ainsi, plein de petits cafés joliment aménagés (pour mes après-midi d’écriture dans des cafés, je peux en choisir un différent chaque jour dans mon voisinage immédiat, c’est merveilleux !) sont toujours bien fréquentés et au centre de la ville, ils regorgent de somptueuses décorations de Noël. Pas différent d’une autre ville européenne. Ainsi, à mon propre étonnement, je me déplace rapidement dans la ville comme une évidence et je passe du mode d’une voyageuse à une sorte de courte sédentarité, comme si je restais ici pour plus longtemps (c’est pour cela, je pense, que tout d’un coup je prends beaucoup moins de photos…) – malgré le fait que, malgré tout, je vois la ville avec les yeux d’une voyageuse bien sûr et ne peux que deviner comment se passe la vraie vie ici.

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